Die chinesische Medizin, deren im Westen bekanntester Teil die Akupunktur ist, vermittelt eine andere Auffassung von Krankheiten, als die westliche Medizin.
Während die westliche Medizin auf wissenschaftlichen, analytischen Erkennt-nissen fußt, beruht die Akupunktur auf dem taoistischen Weltbild, das auf Laotse zurückgeht, der im 5. Jahrhundert vor Christi lebte.
Im Mittelpunkt dieses Medizinsystems steht die Vorstellung, daß sich alle Dinge der Welt aus der Polarität zwischen den Urkräften Yin und Yang entwickeln.
Yang ist das Licht, die Hitze, das Außen, die Funktion, die Fülle, das Schöpferische…
Yin ist dagegen der Schatten, die Kälte, das Innere, die Struktur, die Leere, das Empfangende…
Das Wechselspiel von Yin und Yang bringt die im Körper fließende Lebenskraft Qi hervor, auf deren Wirkung alle Lebensäußerungen beruhen. Die Lebensenergie ist im ständigen Fluß. Sie unterhält die Funktionen der inneren Organe wie Atmung, Verdauung, Körperabwehr und Muskelbewegung.
Die Lehre vom Yin und Yang betont einerseits die Gegensätze aller Erscheinungen. Andererseits besagt sie aber auch, daß alles ineinander übergeht, daß es keine Erscheinung ohne ihr Gegenteil gibt. In jedem Yin ist ein Stück Yang, in jedem Yang ist etwas Yin enthalten.
Krankheiten entstehen da, wo die Harmonie zwischen Yin und Yang gestört ist. Das Ziel der Therapie ist es daher, Harmonie herzustellen, d.h.: Fülle abzubauen und Leere aufzufüllen, Hitze zu kühlen und Kälte zu erwärmen, Stauungen zu beseitigen.
Bei aller Begeisterung für chinesische Medizin sollte man nicht dem Fehler verfallen, westliche oder östliche Medizin gegeneinander auszuspielen: beide haben ihre spezifischen Stärken und Schwächen:
Einen Patienten, der mit einem deutlichen Schmerz im rechten Unterbauch zu uns käme, würden wir selbstverständlich niemals versuchen zu akupunktieren, sondern ihn sofort dem Chirurgen vorstellen.
Andererseits kennt jeder erfahrene Arzt auch die klaren Grenzen der westlichen Medizin. Bei einem Patienten, der über Schmerzen klagt, die vom Nacken bis in die Schläfenregion ziehen, ahnt er bereits bei der Schilderung seiner Beschwerden, daß ihn westliche Diagnostik und –therapie nicht sehr weit bringen werden. Selbstverständlich werden wir auch diesen Patienten zuerst nach allen Regel der modernen Medizin untersuchen. In solchen Fällen erreicht man aber damit meist nicht sehr viel. Dieses und viele andere Krankheitsbilder sind eher die Domäne der chinesischen Medizin.
Geschichte der Akupunktur
Die Akupunktur wurde in grauer Vorzeit in China entwickelt. Über die Zeit des Entstehens gibt es widersprüchliche Angaben. Fest steht, daß sie bereits 2000 Jahre v.Chr. in China angewandt wurde. Die Ursprünge liegen jedoch weiter zurück.
Aus Aufzeichnungen, die etwa in die Zeit um 1600 v.Chr. zu datieren sind, weiß man, daß zugespitzte Bambus- und Bronzenadeln zur Behandlung verwendet wurden. Bei Ausgrabungen gefundene zugespitzte Steine, die einer früheren Zeit (etwa 3000 v.Chr.) zugeordnet werden konnten, weisen auf erste Anfänge der Akupunktur hin.
Um die Hintergründe zu verstehen, muß man das Krankheitsbild im China dieser Zeit betrachten. Krankheit bezog sich nicht nur auf körperliche und seelische Gebrechen. Vielmehr war Krankheit die Beschreibung für jeden individualisierbaren Mißstand. Das waren sowohl körperliche Zustände, wie Schmerzen oder Verletzungen. Aber auch persönliche oder kollektive Mißerfolge und Naturkatastrophen. Überschwemmungen und Kampfniederlagen hatten demzufolge den gleichen negativen Stellenwert wie Bauchschmerzen.
Die Behandlung von Krankheiten in einem solch umfassenden Krankheitsbild stellte daher immer auch einen Zusammenhang zwischen Mensch und Natur her. Natürliche Einflüsse auf das Entstehen von Krankheiten wurden bereits damals dokumentiert. Krankheit war im Verständnis der Zeit ein gesamtheitlicher Mißstand. Das Gegenteil war die völlige Harmonie des Menschen mit seiner Umwelt, der Natur und sich selbst. Diese Sicht bestimmt wesentlich den ganzheitlichen Therapieansatz der traditionellen chinesischen Medizin.
Die Entstehung des konfuzianischen Weltbildes hatte einen wichtigen Einfluß auf die weitere Entwicklung der Akupunktur. In diesem Weltbild stehen alle Teile der unsichtbaren und sichtbaren Welt in einer gegenseitigen Abhängigkeit und Rangfolge. Aus dieser Sicht erklären sich auch die Lehren der ’5-Wandlungsphasen’ und des ‘Yin-Yang’. Letzteres ist ein Grundprinzip der traditionellen chinesischen Medizin. Es geht davon aus, daß zwei polare, heterogene Urkräfte immer ein Gleichgewicht bilden müssen. Der Ausgleich beider Kräfte bedeutet Harmonie, ihr Ungleichgewicht Disharmonie, also Krankheit. Die Lehre der 5 Wandlungsphasen (auch 5-Elemente-Lehre genannt) geht von den Beziehungen der Grundelemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser aus. Das richtige quantitative Verhältnis zueinander bestimmt, ob der Mensch gesund oder krank ist. Diese Lehren beeinflußten die chinesische Gesellschaft über Jahrtausende bis zum heutigen Tag. Die Akupunktur als Instrument zur Behandlung von ‘Krankheiten’ war Teil dieses sozialen Umfelds. Ohne den gesellschaftlichen Hintergrund war sie nicht denkbar.
Vor etwa 1400 Jahren gelangte die Akupunktur über Korea nach Japan. Eine weitere Verbreitung fand zunächst nicht statt. Erste Kunde erreichte Europa im 14. Jahrhundert n.Chr. durch die Berichte von Marco Polo. Durch die Handelsmissionen Englands, Hollands und Frankreichs in Ostasien kamen im 17. Jahrhundert mehr Informationen nach Europa. Zu dieser Zeit finden wir in Europa die ersten Bücher über dieses Thema. Im Jahre 1658 veröffentlichte der holländische Arzt Jakob de Bondt ein umfangreiches sechsbändiges Werk über die Naturgeschichte und Medizin Ostindiens. Wilhelm Ten Rhyne (1683) und Andreas Cleyer (1686) verfassten erste umfangreichere Arbeiten zur Akupunktur.
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Akupunktur in Europa vereinzelt an einigen Fürstenhöfen angewandt. So therapierte der Arzt Engelbert Kämpfer den Grafen von der Lippe und berichtete darüber. Im 19. Jahrhundert, als der Siegeszug der modernen Medizin begann, geriet die Akupunktur in Europa wieder in Vergessenheit.
Erst Anfang der 50er Jahre wurde die Akupunktur im Westen wiederentdeckt. Im Jahre 1950 erregte der 4. Internationale Kongreß für Akupunktur in Paris großes Aufsehen. Ärzte aus ganz Europa begannen nun, sich für diese (vermeintlich neue) Therapie zu interessieren. Es entstanden die ersten ärztlichen Akupunktur-Organisationen. In Deutschland wurde 1951 die Deutsche Gesellschaft für Akupunktur gegründet. Anders als in Asien verbreitete sich die Akupunktur in Europa zunehmend über die Ärzteschaft. Und anders als in Asien standen die ärztlichen Anwender von Beginn an unter einem Erklärungszwang gegenüber der westlichen Medizin. So gab es bereits in den 50er Jahren in Europa erste zaghafte Ansätze, die Akupunktur wissenschaftlich zu erklären.
Erst 1972, mit dem Besuch des amerikanischen Präsidenten Nixon in China, wurde die Akupunktur auch in den Medien populär. Seitdem hat sich die Akupunktur sowohl in den USA als auch in Europa vehement weiter entwickelt. Während in den USA die Therapie überwiegend von chinesischen Einwanderern geprägt ist, wurde sie in Europa als ärztliche Therapie verstanden. Inzwischen ist sie weit verbreitet, wird erfolgreich bei einer ganzen Reihe von Indikationen eingesetzt und hat ihren Weg an die Universitäten gefunden.
Akupunktur in der Praxis
Dr. Volkmann hat sich seit seiner Studienzeit mit Akupunktur beschäftigt und sowohl das A- als auch das B-Diplom Akupunktur abgelegt.
Frau Bernstein begann 2009 mit dem Studium der Akupunktur. Sie hat inzwischen das A-Diplom für Akupunktur abgelegt. Zur Zeit arbeitet sie am B-Diplom.
In unserer Praxis haben wir zwei Räume, in denen die Akupunkturen durchgeführt werden.
In der Regel finden 2 Akupunkturbehandlungen in der Woche statt, eine Serie umfaßt 5 bis 10 Behandlungen. Wenn der Therapieverlauf oder die Schwere der Behandlung es erforderlich machen, sind weitere Behandlungsserien erforderlich. 3-4 Monate nach Abschluß der Behandlung sind zur Auffrischung 5 Akupunktursitzungen zu empfehlen, die zur Stabilisierung des Heilerfolges beitragen. Bei erneutem Auftreten der Erkrankung nach Monaten oder Jahren, z.B. bei Migräne, sollte frühzeitig mit einer erneuten Akupunkturbehandlung begonnen werden, die in der Regel deutlich kürzer ist als der erste Behandlungszyklus.
Die meisten Kassen übernehmen bei bestimmten Indikationen die Kosten für 10 bis 15 Sitzungen. Fragen Sie bei uns nach!

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